Wir alle verbringen einen großen Teil unserer wachen Zeit damit Geld zu verdienen. Unsere finanzielle Lage spielt eine maßgebliche Rolle bei der Entscheidung, wie wir unser Leben gestalten. Deshalb hätten wir alle gerne mehr Geld. Trotzdem hören wir immer wieder Beispiele von unglücklichen Millionären, die es nicht schaffen, ihren Reichtum zu genießen. Doch warum ist das so? Macht Geld unser Leben schwieriger? Macht es uns unglücklich?
Wann leben wir unser Leben?
Wie sieht das Leben eines motivierten Menschen aus? Wir suchen nach der besten Ausbildung und opfern dafür unsere Freizeit. Der Top-Abschluss ist es wert, weil wir danach einen guten Job bekommen.
Dort angekommen, müssen wir natürlich Gas geben, um uns zu etablieren. Wir stechen aus der Masse hervor und kommen deshalb in die engere Auswahl für die frei werdende Führungsposition. Dafür müssen wir zwangsläufig auf Zeit mit unseren Freunden und Sport verzichten, um uns durchzusetzen.
Dafür verdienen wir genug, um in Zukunft mehr Freiheit zu genießen. So zumindest die Idee.
Doch gerade weil wir viel Zeit und Energie in unsere Arbeit investieren, haben wir das Gefühl, dass wir uns etwas gönnen sollten. Der Alltag ist nun mal stressig genug. Dieses “Gönnen” ist allerdings meist etwas, das uns nur kurzfristig gut tut. Langfristig hingegen erschweren wir uns das Leben damit selbst.
Der utopische Urlaub, den wir uns nur wegen unzähligen Überstunden leisten können. Das ungesunde Fastfood, das wir uns angeblich verdient haben. Oder der Serienmarathon bis 2 Uhr früh, der uns in den folgenden Tagen in übermüdete, gereizte Kollegen verwandelt.
Wir geben Geld für edle Dinge aus, um unseren unermüdlichen Einsatz zu rechtfertigen. Eine Traumwohnung in einer guten Gegend und ein teures Auto beweisen, dass wir es geschafft haben. Allerdings frisst all das genau das Geld, das uns in Zukunft die Freiheit schenken sollte. Plötzlich müssen wir viel verdienen, um unseren teuren Lebensstil zu finanzieren.
Viel Zeit für das, was uns tatsächlich wichtig ist, bleibt dabei nicht.
Wir geben Freiheit im Hier und Jetzt auf, um in Zukunft mehr Freiheit genießen zu können. Wir opfern genau das, wonach wir streben, heute, um es morgen zu bekommen. Das klingt doch absurd?
Ist es auch, denn dieser Ansatz hat einen entscheidenden Fehler. Der Zeitpunkt, in dem wir uns tatsächlich auf unsere Freiheit konzentrieren, kommt nämlich nie. Wir opfern unser Leben lang genau das, was wir eigentlich anstreben, ohne es jemals zu bekommen.
Wir verschieben es, nach unseren Vorstellungen zu leben, bis es zu spät ist. Dazu passt perfekt eines meiner Lieblingszitate: “Wir alle haben zwei Leben. Das zweite beginnt, wenn wir realisieren, dass wir nur eines haben.”
Es ist der Alltag, der zählt. Wir erinnern uns zwar ein Leben lang an die großartigen Erfahrungen unserer Reisen. Doch wir dürfen nicht 50 Wochen im Jahr gestresst und unglücklich leben, um uns diese Erfahrungen zu ermöglichen.
Unser Leben ist unser Alltag. Also genau die Zeit, in der du diesen Artikel liest und die Entscheidungen, die du direkt danach triffst.
Komplexität macht unglücklich
Geld macht glücklich, davon bin ich überzeugt. Warum würden wir sonst so viel Zeit damit verbringen, mehr davon zu bekommen? Vielmehr ist es die Art und Weise, wie wir es ausgeben, die zu Problemen führt.
Bei falscher Verwendung kann Geld unser Leben komplexer gestalten. Wir häufen immer mehr und edleres Zeug an, was wiederum dazu führt, dass wir auch all unsere anderen Gegenstände upgraden müssen, um unserem Lebensstil zu genügen. Die angehäuften Dinge müssen auch gemanagt werden. Diese Komplexität kann schnell zu Unglück führen.
Leider ist genau das das Schicksal vieler wohlhabender Menschen. Sie fügen ihrem Leben mehr und mehr Komplexität hinzu und werden dadurch unzufriedener.
Sie kaufen sich ein Boot, einen riesigen Garten oder eine Wohnung in den Bergen, nur um zu erkennen, dass sie kaum Zeit haben, diese Dinge zu genießen. Und nicht nur das — diese Anschaffung bedeuten auch zusätzlichen Aufwand.
Die weitaus einfachere und wahrscheinlich auch günstigere Variante wäre, ein Boot einfach jedes Mal zu mieten. Oder ein Chalet zu buchen, wenn man in die Berge möchte.
Versteh mich nicht falsch, jedes dieser Beispiele kann eine echte Leidenschaft sein und helfen, den Kopf von der Arbeit freizubekommen. Wenn wir uns allerdings ständig darüber beschweren, wie viel Arbeit im Garten auf uns wartet oder dass wir wegen all der Pflanzen nicht verreisen können, dann geht das am Ziel vorbei.
Letztlich ist es die zunehmende Komplexität, die uns unglücklich macht.
Deshalb müssen wir unser Geld dafür verwenden, unser Leben simpel zu halten und es für jene Dinge auszugeben, die uns wirklich wichtig sind. Mehr Besitz allein wird uns nicht glücklicher machen.
Wenn uns Geld also unglücklich macht, dann liegt das an uns selbst und nicht am Geld. Wir müssen lernen, es richtig einzusetzen.
Das Streben nach Freiheit
Um Geld für ein glücklicheres Leben zu nutzen, müssen wir uns mit der Frage beschäftigen: “Wie sieht ein Leben nach meinen Vorstellungen aus?” Und zwar mit einem Job, der uns fordert, Zeit mit den Menschen, die uns wichtig sind und Sinn im Leben. Uns einfach einen lebenslangen Urlaub zu wünschen bringt uns nicht voran und würde uns langfristig auch nicht glücklich machen.
Vielmehr müssen wir versuchen ein klares Bild von unserem idealen Leben zu zeichnen, um dann Schritt für Schritt Teile davon im Alltag zu integrieren. Dabei fokussieren wir uns darauf, wie wir unsere Zeit verbringen, nicht darauf, welche Dinge wir besitzen.
Das verschafft uns Klarheit für zahlreiche Entscheidungen.
Ab einem gewissen Einkommen, verändern 200 Euro pro Monat unser Leben nicht mehr. Ein höheres Maß an Freiheit und Autonomie hingegen schon — deshalb kann es sinnvoller sein, statt einer Gehaltserhöhung mehr Flexibilität auszuhandeln.
Wenn wir viel verdienen, liegt das meist daran, dass wir gut sind in dem, was wir tun und autonom arbeiten können. Das ist auch unserem Arbeitgeber bewusst. Eine Lösung zu finden, die dem Unternehmen nichts kostet, aber unsere Arbeitsbereitschaft und Freude steigert, ist daher für alle von Vorteil.
Frag dich also, wie dein ideales Leben aussieht. Vielleicht bist du gerne auf einer Hütte in den Bergen und vereinbarst deshalb, dass du eine Woche im Monat von dort aus arbeiten kannst. Oder du möchtest deine Kinder von der Schule abholen und den Nachmittag mit ihnen verbringen — dafür arbeitest du abends einfach noch ein bis zwei Stunden.
Oder du vereinbarst eine vollkommen autonome Arbeitsweise, ohne Stundenerfassung und ohne Anwesenheitspflicht. Natürlich ist das nur möglich, wenn du bereits bewiesen hast, welchen Wert du für die Firma schaffst und du deine Leistung bringst, unabhängig davon, wo du arbeitest.
Wir dürfen nicht vergessen, selbst ein Auto um 100.000€ verändert nicht, wie wir unseren Alltag leben. Eine Stunde mehr pro Tag mit unserer Familie hingegen kann unsere Gelassenheit und Zufriedenheit erheblich steigern.
All diese Freiheiten können weit wertvoller für unser Glück im Leben sein, als eine Gehaltserhöhung. Doch leider ist Freiheit schwer messbar und wir lieben es nun mal, uns zu vergleichen. Genau diese Denkweise müssen wir ablegen. Es spielt keine Rolle, ob der Kollege mehr verdient, wenn er dafür Unmengen an Überstunden leisten muss und kaum Kontrolle über seine Zeit hat.
Was zählt ist, ob wir Freude und Energie in unserem Leben haben.
Und Wohlstand gibt uns die Möglichkeit, mehr Energie im Alltag zu haben. Wir können gesunde Fertiggerichte kaufen, falls es mal wieder schnell gehen muss. Oder uns beim Essen gehen für die gesunde, wenn auch teurere Variante entscheiden (lies dazu: “Wie Du endlich deine Ernährung in den Griff bekommst”).
Geld gibt uns außerdem die Freiheit, uns auf die wichtigen Dinge zu fokussieren und nicht jede Entscheidung vom Geld diktieren zu lassen. Wir müssen nicht mehr nach Rabatten im Supermarkt suchen oder uns fragen, ob das Fitnessstudio, dass 10 Minuten weiter weg liegt, 20 Euro günstiger ist.
All diese kleinen Entscheidungen spielen keine Rolle, solange wir stattdessen nicht das Motorrad oder Boot kaufen, das wir in unserem gestressten Alltag sowieso nicht nutzen können.
Wir müssen also versuchen, unser Leben simpel zu halten und Geld ist eine großartige Hilfe, um genau das zu tun. Immer mehr materielle Dinge anzuhäufen, ohne unsere Lebensweise zu verändern, wird uns auch nicht glücklicher machen.
Strebe stattdessen nach einem gesunden und glücklichen Leben voller Freiheit. Frag dich, wie dein ideales Leben aussieht und integriere Schritt für Schritt mehr davon in deinen Alltag. Geld dafür einzusetzen, ist immer eine wertvolle Entscheidung.
Nutze dein Geld bewusst — nicht für mehr Dinge, sondern für ein Leben, das dich wirklich erfüllt.
Weiterlesen:
“Ein Leben in dem wir keinen Urlaub brauchen”
“Wie sieht dein perfekter Dienstag aus?”
“Wie wir uns selbst einsperren”
Buchempfehlungen
Red Rising – Pierce Brown
Es ist sehr untypisch für mich Fiction Bücher zu lesen, aber diese Reihe hat mich wirklich gefesselt. Am Abend perfekt zum Runterkommen und so spannend, dass man damit auch Serien oder YouTube ersetzen kann. Also eine absolute Empfehlung:
The 5 Types of Wealth – Sahil Bloom
Und in der Früh nach dem Aufstehen lese ich derzeit diese Buch von Sahil Bloom.
Abschließend noch ein Zitat von Albert Schweitzer:
„Success is not the key to happiness. Happiness is the key to success.“
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